Was mich bewegt

11. Mai, 2016

1944/45 kam der Krieg in die Eifel. Hier verloren unzählige deutsche und amerikanische Soldaten in schrecklichen Schlachten ihr Leben. Da ist die Schlacht von Hürtgenwald zu erwähnen, erbitterte Kämpfe forderten Menschenleben auf beiden Seiten. Auch die Zivilbevölkerung blieb nicht verschont. Vielerorts verbrachten die Menschen ihre Tage in Höhlen und sonstigen Verstecken und fristeten ein jämmerliches Dasein voller Hunger und Kälte, Angst und Schrecken.

Der Vater meines Mannes verlor sein junges Leben in einem kleinem Kriegsgeplänkel bei Rohren noch bevor die richtigen Schlachten losgingen. Aachen war schon gefallen und einige wenige Dörfer in der Eifel ebenso. Aber dann kam es noch zur Schlacht von Hürtgenwald, die in die Geschichte eingegangen ist. Unfassbare Verhältnisse, erbitterter Widerstand, harte Kämpfe kennzeichnen diese Schlacht. Die Amerikaner hatten hier die meisten Verluste, viele, viele junge Soldaten verloren ihr Leben in der Eifel.

Aachen lag schon in Schutt und Asche als in der Eifel die schlimmsten Schlachten des zweiten Weltkriegs stattfanden. Als ich als junges Mädchen die Fotos und Filme meiner Heimatstadt sah, war ich geschockt und entsetzt. Aber in der Eifel ging der Krieg erst richtig los.

Es gibt viele Aussagen über die Zahlen der Opfer im Hürtgenwald. Man kann es bis heute nicht mit Gewissheit sagen, es werden um die 70.000 sein. Bis heute stößt man bei Bauarbeiten auf Leichen von Soldaten, oftmals amerikanischer Herkunft. Noch heute suchen die USA nach ihren Gefallenen. Hunderte werden noch vermisst.

Ein Aachener, der nach dem Krieg nach Vossenack zog, machte es sich zur Aufgabe die toten Soldaten zu begraben. Sie lagen einfach herum. Er konnte es nicht mehr mit ansehen und bestattete die Toten, die er fand. Zuerst alleine, dann mit Unterstützung der Bevölkerung. Der Mann hieß Julius Erasmus und machte sich mit dieser Aktion einen Namen. Rund 1.600 Soldaten fanden ihre letzte Ruhe mit seiner Hilfe. Diese Arbeit war gefährlich wegen der herumliegenden Minen. Viele Helfer fanden dabei den Tod. Um 1947 wurde ein großes Feuer im Hürtgenwald gelegt, damit die Munition und die Minen explodieren konnten. Die ältere Generation kennt noch die baumlose Eifel. Ich stelle es mir schrecklich vor und denke oft noch daran, wenn ich in der Eifel unterwegs bin und die herrliche Landschaft bewundere.

Am Ortsrand von Großhau gibt es einen bekannten Hügel. Hemingway hatte diesen Hügel als „Arschnackten Hügel“ bezeichnet. Er und William Walton machten hier eine grausige Entdeckung, die zum Alltag des Krieges und zu seiner allgegenwärtigen Grausamkeit gehörten: eine plattgefahrene Leiche eines G.I.s und ein von Phosphor verbrannter deutscher Soldat, an dem ein streunender Hund nagte.

Viele Eifeler litten unter Krieg und Flucht, starben vor Hunger und Kälte, in der Evakuierung und nach dem Krieg durch Granaten, die überall herumlagen. Auch bei Schmuggeltätigkeiten im Dreiländereck waren viele Tote zu beklagen. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter wurden misshandelt und eiskalt ermordet. So viele schreckliche Dinge sind in dieser Zeit geschehen. Manches zeigt auch Parallelen zur heutigen Zeit, der Krieg in Syrien und vielen anderen Gebieten; Menschen auf der Flucht, Gewalt überall. Meine Gebete und Gedanken gelten ihnen allen.

Elke Zillkens